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Ich fürchtete um mein Leben

Ghanya Al-Nageb erlebte im Jemen, dass Wissenschaftler ihrer Fakultät verschwanden. Die Ernährungswissenschaftlerin konnte ihre Karriere an der Uni Würzburg fortsetzen. Mittlerweile forscht und lehrt sie in Italien.

Ghanya Al-Naqeb steht in einer herbstlichen Naturumgebung und blickt lächelnd in die Ferne.
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Philipp Schwartz-Initiative

Die Philipp Schwartz-Initiative ermöglicht seit 2016 deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen, ausländische Wissenschaftler*innen, denen in ihren Heimatländern Krieg oder Verfolgung drohen, für zwei Jahre bei sich aufzunehmen.

Dossier für Presse und Medien
Programmwebsite für Bewerbungen

Mein Vater ist Landwirt, und als ich Kind war, hat er mir oft gezeigt, welche seiner Pflanzen gegen Kopfschmerzen helfen, gegen Magenbeschwerden oder Rückenverspannungen. Woher weiß er das, woher wissen es die Menschen im Jemen? Diese Frage hat mich so sehr beschäftigt, dass ich Lebensmittelchemikerin geworden bin und an der Universität von Saana die medizinische Heilkraft von Kräutern erforscht habe. Nach den Protesten beim Arabischen Frühling 2011 wurde die Lage in meiner Heimat zunehmend schwierig für Wissenschaftler*innen. Ab 2015 kam es zu einem Mehrfrontenkrieg. Jeder galt jedem als Feind. Ich wurde schikaniert, ich sollte mehr Studierende im Labor unterrichten, als möglich war. Mitunter war ich am Arbeitsplatz völlig von Wasser und Elektrizität abgeschnitten. Außerdem erhielt ich über zwei Jahre hinweg keinerlei Gehalt. Dann erlebte ich, wie an meiner Fakultät Wissenschaftler verschwanden. Ich hatte wirklich Angst vor dem, was mit mir geschehen könnte, ich fürchtete um mein Leben.

Mitunter war ich am Arbeitsplatz völlig von Wasser und Elektrizität abgeschnitten. Außerdem erhielt ich über zwei Jahre hinweg keinerlei Gehalt.
Ghanya Al-Naqeb

2016 war ich bei einer Preisverleihung in Washington D.C., die sehr stark von den Medien wahrgenommen wurde. Diese Aufmerksamkeit nutzte ich und sagte in einem Interview, dass ich auf der Suche nach jemandem sei, der mir helfen könne, eine Anstellung im Ausland zu finden. Daraufhin vermittelte mich Professor Klaus Krickeberg über die Julius-Maximilians Universität Würzburg an Leane Lehmann, Professorin für Lebensmittelchemie. Zusammen mit ihr bewarb ich mich um die Förderung der Philipp Schwartz-Initiative, und dass es geklappt hat, war ein Geschenk – ein Segen Gottes für mich! Die Ausreise aus dem Jemen war nicht leicht. Meinem Mann und mir ist es schließlich über den Sudan gelungen, wo wir vier Monate lang auf das Visum nach Deutschland warten mussten. Als wir im Dezember 2017 – damals schneite es – endlich in Würzburg ankamen, spürte ich eine große Erleichterung.

Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Dr. Ghanya Al-Naqeb

Herkunftsland:
Jemen

Fachgebiet:
Ernährungswissenschaften

Gastegbende Einrichtung:
Universität Würzburg

Förderzeitraum Philipp Schwartz-Initiative:
12/2017 – 11/2019

Ich habe einen Deutschkurs besucht und parallel im Labor der Hochschule mit den Pflanzen weitergearbeitet, die ich aus dem Jemen mitgebracht habe, darunter Pulicaria jaubertii E. Gamal-Eldin und Feigenkaktus-Samen. Die Sprachbarriere und die Arbeit in einem hoch entwickelten Labor waren natürlich eine Herausforderung. Gleichzeitig wurde ich gut ins Team aufgenommen und bin sehr dankbar für die Möglichkeit, meine eigene Forschung in Deutschland fortsetzen zu können. Nun stehen zwei Veröffentlichungen kurz bevor, die wichtig für meine akademische Karriere sind.

Ursprünglich wollte ich nach Ablauf der Förderung zurück in den Jemen gehen, aber aufgrund des andauernden Bürgerkriegs ist das unmöglich. Nicht zuletzt dank der Kontakte, die ich während meiner Förderung durch die Philipp Schwartz-Initiative knüpfen konnte, war eine Bewerbung an der Universität von Trient erfolgreich. Deshalb bin ich nun in Norditalien. Leane Lehmann hatte mich vergangenes Jahr zur Teilnahme an einem DAAD-Alumni-Forum eingeladen, das Corona-bedingt jedoch auf 2021 verschoben wurde. Ich freue mich, mit dieser Veranstaltung Würzburg und Deutschland wieder zu besuchen.

Protokoll: Carola Hoffmeister