Dossier Philipp Schwartz-Initiative

Die Philipp Schwartz-Initiative soll deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen in die Lage versetzen, ausländische Forscher, denen in ihren Heimatländern Krieg oder Verfolgung drohen, für zwei Jahre bei sich aufzunehmen.

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Endlich sicher

Der syrische Mikrobiologe Nedal Said gehörte zu den ersten Stipendiaten der Philipp Schwartz-Initiative. Er ist über die Türkei nach Deutschland geflohen und hat im Sommer 2016 sein Stipendium am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig begonnen. „Ich arbeite in der Wissenschaft, die Kollegen unterstützen mich, und meine Familie ist endlich bei mir – ich bin wieder ein ganzer Mensch“, sagte er. Auch die Translationswissenschaftlerin Meral Camci aus Istanbul war eine der ersten Philipp Schwartz-Stipendiatinnen. Sie wurde in der Türkei massiv unter Druck gesetzt, ihre Stelle als Professorin wurde gekündigt, für einige Wochen kam sie sogar in Haft. In Deutschland forschte sie an der Universität Mainz.

Nedal Said aus Syrien (zweiter von links) und die türkische Translationswissenschaftlerin Meral Camci (zweite von rechts)
Zwei der ersten Stipendiaten, die im Sommer 2016 gemeinsam mit deutschen Kollegen forschten: Nedal Said aus Syrien (zweiter von links) am UFZ Leipzig, die türkische Translationswissenschaftlerin Meral Camci (zweite von rechts) an der Universität Mainz.

Hoffnung für 223 Wissenschaftler

Insgesamt wurden im Zuge der Initiative 223 gefährdeten Forscherinnen und Forschern Philipp Schwartz-Stipendien zugesprochen. Aktuell sind davon 121 in Förderung in Deutschland (Stand Januar 2020). Die Initiative vergibt Fördermittel an deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen, mit denen diese ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwei Jahre lang finanzieren können. Die Humboldt-Stiftung hat das Programm gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt ins Leben gerufen. Hochschulen, die eine Förderung durch die Philipp Schwartz-Initiative beantragen, müssen unter anderem ein Konzept zum Umgang mit gefährdeten Forschern und ihrer wissenschaftlichen Einbindung vorlegen.

Philipp Schwartz-Initiative: Programminformationen und -unterlagen 

Eine Bereicherung für deutsche Hochschulen

„Wir wollen ein Zeichen für die Weltoffenheit der deutschen Wissenschaft setzen“, betont der Präsident der Humboldt-Stiftung Hans-Christian Pape. „Wir helfen Menschen, die unser Wissenschaftssystem bereichern können und zugleich in ihrer Heimat dringend gebraucht werden, wenn es dort eines hoffentlich nicht allzu fernen Tages an den Wiederaufbau geht.“

Nachdem im Sommer 2016 insgesamt 24 Forscher eine Förderung erhielten, konnte die Zahl der Geförderten in der zweiten Runde der Initiative auf 44 und in der dritten Runde auf 56 erhöht werden. Im Sommer 2018 wurden in der vierten Auswahlrunde 31 Hochschulen ausgewählt, um 35 weitere Philipp Schwartz-Stipendiaten bei sich aufzunehmen. Gegenüber der ersten Ausschreibung haben sich auch die Herkunftsländer der Stipendiaten verändert: Während in der ersten Auswahlrunde die meisten Stipendiaten zunächst aus Syrien kamen, stammen die meisten der Stipendiaten seither aus der Türkei.

Wer war Philipp Schwartz? Website der Goethe-Universität Frankfurt am Main 

Philipp Schwartz
Die Philipp Schwartz-Initiative ist nach dem Pathologen jüdischen Glaubens Philipp Schwartz benannt, der selbst 1933 vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste und die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ gründete.

Netzwerke für gefährdete Forscher

Neben der Förderung von Personen ist es ein weiteres Ziel der Initiative, eine Plattform für den Austausch zur Situation gefährdeter Forscher zu organisieren. Dabei arbeitet die Humboldt-Stiftung mit internationalen Partnerorganisationen wie dem Scholars at Risk Network, dem Scholar Rescue Fund und dem Council for At-Risk Academics zusammen. Bis März 2022 übernimmt die Alexander von Humboldt-Stiftung auch das Sekretariat der 2016 gegründeten deutschen Sektion des Scholars at Risk Network.

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