Humboldtianer persönlich

Brüder im Geiste

Winter 1983 in Natters. In diesem Dorf im österreichischen Stubaital sind wir aufgewachsen. Insgesamt waren wir vier Geschwister, aber als Philipp auf die Welt kam, wurden er und ich schnell ein eingeschworenes Team – und sind es bis heute.

  • Von Karl Sebastian Lang, aufgezeichnet von Kristin Hüttmann
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Die Brüder Professor Dr. Karl Sebastian Lang und Professor Dr. Philipp Lang erhielten beide den Sofja Kovalevskaja- Preis. Karl Sebastian Lang ist Direktor des Instituts für Immunologie der Uniklinik Essen, Philipp Lang leitet das Institut für Molekulare Medizin II am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Karl Sebastian Lang und Philipp Lang als Kinder

Auf dem Foto sind wir als stolze Schneehausbauer zu sehen. Ziegel für Ziegel haben wir in einem rechteckigen Eimer den Schnee zusammengepappt, die Ziegel aufgeschichtet und am Ende alles verfugt – eine Riesengaudi. Unser Vater hat mir beigebracht, wie es funktioniert und ich habe es Philipp (rechts im Bild) gezeigt. Damals wie heute haben wir gemeinsame Projekte und Ziele. Als Kinder haben wir aus Schneeziegeln ein Haus aufgeschichtet, heute sind es wissenschaftliche Experimente, die wir aufbauen und diskutieren.

War es Zufall oder Absicht, dass wir denselben Weg wählten? Keine Ahnung, es war einfach so. Unser Vater war Wissenschaftler und hat uns früh mit ins Labor genommen. Ich habe später Medizin studiert, Philipp auch. Ich habe Immunologie gewählt, Philipp auch. Und auch unser Spezialgebiet ist dasselbe: die Leberforschung. So war es auch kein Wunder, dass wir ähnliche Stationen und Projekte hatten und bis heute haben. Dass wir Brüder sind, ist dabei nebensächlich. In der Forschung braucht man einen Buddy, und wir haben uns gefunden – schon lange. 

Dass wir uns so ähnlich sind, macht uns stark. Wir gehen beide analytisch an Probleme heran. Wenn wir diskutieren, wissen wir sofort, was der andere meint. Manche haben ihre Geistesblitze unter der Dusche, wir haben sie in der gemeinsamen Diskussion.

Gerade arbeiten wir zusammen in einem Sonderforschungsprojekt der Universität Düsseldorf, Philipp leitet da ein Institut. Die Uniklinik war eine unserer prägendsten Stationen. Wir haben dort mithilfe der Humboldt-Stiftung fünf Jahre geforscht und eine unserer bisher wichtigsten Entdeckungen gemacht: die forcierte Virusreplikation. Ein immunologischer Vorgang, der unglaublich wichtig ist, damit das Abwehrsystem des Körpers Viren bekämpfen kann.

Eigentlich trennt uns nichts, wir teilen sogar unsere Abneigung gegen gebratene Leber. Nur eine Sache fällt mir ein, die wir nicht gleich gern mögen: Germknödel mit Vanillesauce – damit kann er mich jagen.

 

aus Humboldt Kosmos 106/2016

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