Nachgefragt

Kann Aloe Vera bei der Züchtung von Knochenzellen helfen, Frau Goonoo?

In Siegen holt sich Nowsheen Goonoo jeden Tag ein Stück Heimat ins Labor. Die aus Mauritius stammende Wissenschaftlerin experimentiert mit Inhaltsstoffen aus Pflanzen, die dort heimisch sind.

  • Von Nadine Querfurth
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Dr. Nowsheen Goonoo vom Centre for Biomedical and Biomaterials Research, Mauritius, forscht als Georg Forster-Forschungsstipendiatin an der Universität Siegen. 

Nowsheen Goonoo

„Schon mein Großvater kannte die Wirkung der Aloe vera und hat damit meine kleinen Wunden geheilt“, erinnert sie sich. Was die Chemikerin aus der Pflanze nutzen möchte, sieht aus wie ein aufgequollenes Gummibärchen: das Gel aus dem Wasserspeichergewebe der Blätter. In Kosmetika ist es schon lange ein wichtiger Inhaltsstoff. Goonoo will aus Bestandteilen des Gels und weiteren synthetischen Polymeren Fasern für ein Trägermaterial herstellen, das Zellwachstum unterstützen kann.

Nachrichten aus der Stiftung 

„Mauritius hat noch viele ungenutzte Rohstoffe“, sagt Goonoo. Momentan experimentiert sie auch mit dem Inhaltsstoff Fucoidan aus braunem Seetang, der in Mauritius’ Küstengewässern vorkommt. „Seine positiven Eigenschaften kann ich mit denen synthetischer Polymere kombinieren.“ Im Elektrospinnverfahren stellt sie aus der Polymerlösung neuartige Mischfasern her, die sich zu einem Trägergerüst zusammenlagern, auf dem Zellen wachsen und schließlich neues Knochengewebe bilden können. „Die Zellen müssen die Oberfläche der Fasern mögen, dann wachsen sie gut“, so Goonoo.

Die genauen Wechselwirkungen zwischen Fasermischung, mechanischer Stabilität und biologischer Abbaubarkeit will sie weiter untersuchen. In Zukunft könnte dann von Goonoo gezüchtetes Gewebe bei Transplantationen zum Einsatz kommen.

 

aus Humboldt Kosmos 106/2016

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