Nachgefragt

Herr Jacobsen, wie helfen Smartphones bei der Energiewende?

Bei Hans-Arno Jacobsens Forschungsprojekt können alle mitmachen – einzige Voraussetzung: ein Smartphone. Hunderte von Freiwilligen sind schon unterwegs und fotografieren weltweit Windräder, Solaranlagen, Trafohäuschen und Stromleitungen. Das Ziel dieses Crowdsourcings: eine Weltkarte der Stromnetze.

  • Von Kristin Hüttmann
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Professor Dr. Hans-Arno Jacobsen forscht als Alexander von Humboldt-Professor an der Technischen Universität München.

Hans-Arno Jacobsen

Mit ihrer App OpenGridMap haben Jacobsen und sein Kollege José Rivera ein Planungstool für die Energiewende geschaffen und wollen damit bisher fehlende Daten der weltweiten elektrischen Infrastruktur liefern. „Offene Daten über die Energienetze weltweit gibt es kaum oder die Stellen, die sie haben, rücken sie nicht raus“, sagt Jacobsen. Das wollen die Münchner Forscher nun ändern.

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Dabei setzen sie auf freiwillige Mitforscher auf der ganzen Welt, die mit Handy und der OpenGridMap-App Fotos von Trafohäuschen und Windrädern machen und sie zusammen mit den exakten Standortdaten an den Server der Technischen Universität München schicken. Rivera und Jacobsen analysieren die Daten, werten sie aus und laden sie in das digitale Landkartensystem OpenStreetMap hoch. Aus diesen Daten berechnen die Informatiker dann Modelle, die Rückschlüsse über Stromverbrauch, Stromfluss, Über- oder Unterkapazität ermöglichen.

„Den Umbau der Energieversorgung kann man nur planen, wenn man genau weiß, wo Leitungen liegen, an welchen Stellen der Strom aus den Hochspannungsleitungen transformiert und in die Niederspannungsnetze eingespeist wird“, sagt Jacobsen. „Dafür brauchen wir eine offene Karte der Stromnetze und jeder kann uns helfen, das zu schaffen.“

 

aus Humboldt Kosmos 107/2017

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