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Das Thema der Kosmos-Vorlesung hätte dieses Jahr nicht aktueller sein können: Die irische Sozialphilosophin Maeve Cooke sprach über Potenzial und Grenzen politischer Teilhabe.
250 internationale Gäste aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sowie Humboldtianer*innen, die zurzeit in Deutschland forschen, trafen sich beim Spätsommerempfang der Humboldt-Stiftung in Berlin. Wenige Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt thematisierte Stiftungspräsident Robert Schlögl seine Besorgnis über den Wahlausgang: „Für uns als Wissenschaftsorganisation und für mich persönlich ist dieses Wahlergebnis nicht einfach ein weiteres politisches Ereignis. Denn wenn eine Partei, die als gesichert rechtsextremistisch vom Verfassungsschutz beobachtet wird, auch weil sie die demokratischen Grundprinzipien infrage stellt, auf demokratischem Wege an die Macht gelangen sollte, verändert das die Bedingungen, unter denen Wissenschaft wirken kann.“
Schlögl stellte die große Bedeutung der Freiheit von Forschung und Lehre für die Demokratie heraus: „Sie ist Garant für gute und ertragreiche Wissenschaft, die wir in Zeiten der Systemrivalität und eines gnadenlosen wirtschaftlichen Wettbewerbes so dringend benötigen.“ Er rief dazu auf, für Wissenschaftsfreiheit und offenen internationalen Austausch einzutreten. Dazu zähle auch, dass internationale Studierende und Forschende sich weiterhin in Sachsen-Anhalt willkommen fühlen können.
Die Freiheit von Forschung und Lehre ist Garant für gute und ertragreiche Wissenschaft, die wir in Zeiten der Systemrivalität und eines gnadenlosen wirtschaftlichen Wettbewerbes so dringend benötigen.
In ihrer Kosmos-Vorlesung formulierte Maeve Cooke das „Dilemma der Fürsprecher*innen der Demokratie“: Die Menschheit stehe vor Herausforderungen, die schnelles Handeln verlangen – etwa der ökologischen Katastrophe. Demokratische Beteiligungsprozesse brauchen dagegen Zeit.
Wie sich dieser Widerspruch auflösen lässt? Cooke plädierte dafür, demokratische Institutionen und Praktiken weiterzuentwickeln, um der demokratischen Entfremdung entgegenzuwirken. Die Digitalisierung, einerseits Beschleunigerin dieser Entwicklungen, berge dabei zugleich das Potenzial, neue Formen der Teilhabe zu ermöglichen.
Die Humboldt-Forschungspreisträgerin Cooke gehört zu den international profiliertesten Stimmen der Sozial- und politischen Philosophie. Sie ist Professorin für Philosophie am University College Dublin und forscht derzeit am Philosophischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin.
Wie neue Formen politischer Beteiligung konkret aussehen können, diskutierte Cooke anschließend mit Teilnehmenden des Humboldt Residency-Programms „Democracy 2.26: Designing Political Participation“. Die transdisziplinäre Gruppe aus Forschenden, Journalist*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen aus 10 Ländern arbeitetete sechs Wochen lang in Berlin und Brandenburg an der Frage, wie politische Teilhabe neu gestaltet werden kann. Die Kosmos-Vorlesung bildete den Abschluss der Residenzphase des vom Auswärtigen Amt geförderten Programms.