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Vorwürfe im Rahmen des Auswahlverfahrens zum Bessel-Forschungspreis

Im Rahmen des Auswahlprozesses zum Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis 2023/2024 der Humboldt-Stiftung ist es zu Vorwürfen gegen die Stiftung gekommen, zu denen die Geschäftsstelle Stellung beziehen möchte.

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In einem offenen Brief der British Society for Middle Eastern Studies (BRISMES) und an verschiedenen Stellen in den sozialen Medien wurde die Humboldt-Stiftung mit dem Vorwurf konfrontiert, dass Dr. Huda Fakhreddine im Auswahlprozess zum Bessel-Preis aufgrund ihrer öffentlich geäußerten Positionen zum Krieg im Nahen Osten abgelehnt wurde. 

Wir bedauern sehr, dass sich Frau Dr. Fakhreddine im Auswahlverfahren ungerecht behandelt gefühlt hat. Dies war nicht unsere Absicht.  
Der Auswahlprozess zum Bessel-Preis besteht aus einem mehrstufigen Verfahren. Zunächst muss eine Nominierung durch ausgewiesene Wissenschaftler*innen in Deutschland erfolgen. Dabei entscheidet nicht die Humboldt-Stiftung über die Vergabe von Preisen und Stipendien, sondern Auswahlausschüsse – im Fall des Bessel-Preises bestehend aus 23 Wissenschaftler*innen verschiedener Fachrichtungen. Nach einer Prüfung auf formale Zulässigkeit und Vollständigkeit der Unterlagen durch die Geschäftsstelle der Humboldt-Stiftung werden zu jeder Bewerbung in der Regel zwei unabhängige wissenschaftliche Gutachten angefordert. Im Vorfeld und zur Vorbereitung der Auswahlsitzung werden die begutachteten Anträge an die Mitglieder der Auswahlkommission geschickt, die die Nominierung in der Sitzung vorstellen. 

Die Humboldt-Stiftung bietet den Rahmen für diesen Auswahlprozess, der Ausschuss ist in seinen Entscheidungen jedoch unabhängig. Im Zuge des gesamten Begutachtungsprozesses steht es allen beteiligten Wissenschaftler*innen frei, eigene Recherchen durchzuführen. Im Verlauf der Begutachtung hat die Geschäftsstelle der Humboldt-Stiftung Hinweise auf Äußerungen von Frau Fakhreddine erhalten, die Anlass zur Sorge gaben, dass ihre Äußerungen zum Krieg im Nahen Osten inkompatibel mit den Werten des Humboldt-Netzwerks – der Förderung und Pflege des interkulturellen Dialogs – sein zu könnten.

Die Humboldt-Stiftung hat nach Rücksprache mit dem Auswahlausschuss die nominierende Person gebeten, die betreffenden Aussagen von Frau Dr. Fakhreddine in den Sozialen Medien einzuordnen. Die nominierende Person suchte daraufhin den direkten Austausch mit Frau Fakhreddine. Die Ergebnisse des Gesprächs wurden dem Ausschuss mitgeteilt. Es wurden keine weiteren Maßnahmen basierend auf den Äußerungen getroffen. Die fachliche Bewertung der Bewerbung blieb von der Prüfung unberührt.

Der Antrag auf Verleihung des Bessel-Preises wurde abgelehnt. Die Gründe der Stimmabgabe werden generell nicht erhoben. In den zurückliegenden Jahren waren im Durchschnitt nur etwa 35% der Nominierungen erfolgreich.

In einer komplizierten politischen Lage und den emotional geführten Debatten wünschen wir uns, dass es weiterhin möglich ist, im Dialog zu bleiben.

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