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Die rumänische Kunsthistorikerin Alexandra Chiriac forscht in Leipzig mit einem Humboldt-Forschungsstipendium zu transnationalen Verflechtungen in der Kulturgeschichte Rumäniens. Chiriac wurde von Humboldt-Scout Maren Röger, Direktorin des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europas (GWZO), ganz bewusst nach Leipzig geholt. Denn bei aller Dynamik in der Mittel- und Osteuropaforschung sind Kultur und Geschichte des Brückenlandes – zwischen Karpaten und Balkan, Donau und Schwarzem Meer – 30 Jahre nach dem Ende der europäischen Teilung in Ost und West immer noch unzureichend erforscht.
„Rumänien spielt bei der Erforschung Mittel- und Osteuropas aufgrund unseres akademischen Bildungssystems, der Traditionen der Disziplinen und der erforderlichen Sprachkenntnisse oft keine herausragende Rolle“, so Maren Röger. Schon länger hatte sie Rumänien in der Ausrichtung des Instituts mehr Raum geben wollen. Als Scout des Henriette Herz-Scouting-Programms der Humboldt-Stiftung kann sie bis zu drei Postdocs nach Leipzig holen, um interdisziplinäre Forschung zu fördern und das Portfolio des Instituts auszubauen.
Rumänien spielt eine Sonderrolle
In Alexandra Chiriac fand Röger eine Forscherin, deren Forschungsschwerpunkt auf Populärkulturen und Performance-Theorie hochinnovativ ist, stark mit den eigenen Forschungsinteressen verbunden ist und die Themen des Fachbereichs „Interdependenz und Globalisierung“ ergänzt. Die Kunsthistorikerin wurde in St. Andrews in Schottland promoviert und hat bereits eine Monographie über experimentelles jiddisches Theater in Bukarest und dessen Beitrag zum europäischen Modernismus im frühen 20. Jahrhundert veröffentlicht.
Modernistische Avantgarde in Südosteuropa
Chiriac lebt in Leipzig und erforscht derzeit, welchen Einfluss Schwarze Jazzmusiker*innen aus den USA auf die künstlerische, soziale und politische Moderne in Rumänien in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts hatten. „Es ist kaum bekannt, dass zu der Zeit Schwarze Performer*innen in Bukarest aufgetreten sind. Man muss den Spuren dieser Individuen folgen, dann sieht man, wie divers, transnational und transkulturell die Geschichte Rumäniens ist“, betont Alexandra Chiriac.
Deutschland war bis zu ihrem Scouting kein Teil ihrer Karriereplanung, doch inzwischen ist sie dankbar, in Leipzig zu sein. „Ich bewege mich nun in einer Umgebung von lauter Expert*innen, die sich in den Regionen Ost- und Mitteleuropas wirklich gut auskennen und denen es darum geht, ein sachkundiges und ausdifferenziertes Bild von Kultur und Geschichte zu zeichnen“, sagt Chiriac.
„Ich bewege mich nun in einer Umgebung von lauter Expert*innen, [...] denen es darum geht, ein sachkundiges und ausdifferenziertes Bild von Kultur und Geschichte zu zeichnen“
„Ich war Feuer und Flamme, als ich vom Henriette Herz-Scouting-Programm hörte“, erinnert sich Gastgeberin Röger. „Und ich stimme der Forderung, zuerst eine Frau zu nominieren, voll und ganz zu.“ Alle Anforderungen zusammen – das Geschlecht, die Jahre nach dem Abschluss und die Tatsache, dass die Person nicht länger in Deutschland gelebt haben sollte – zwingen einen dazu, den ersten Namen, der einem in den Sinn kommt, beiseitezulassen. „Es geht darum, wirklich über den Tellerrand zu schauen und jemanden zu scouten, der die hohen qualitativen Ansprüche erfüllt und mit dem man noch nicht zu tun hatte“, berichtet Röger über die Auflagen beim Scouten. Die Kulturwissenschaftlerin, die selbst zu Erinnerungskultur in Polen geforscht hat, fühlt sich durch das Programm von der Humboldt-Stiftung gut unterstützt.
Ein weiterer Vorteil des Henriette Herz-Scouting-Programms (gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) ist das zügige Verfahren. „Menschen brauchen Planungssicherheit – schließlich geht es darum, Umzüge über Ländergrenzen hinweg zu organisieren“, findet Röger.
„Es geht darum, wirklich über den Tellerrand zu schauen und jemanden zu scouten, der die hohen qualitativen Ansprüche erfüllt und mit dem man noch nicht zu tun hatte“
Alexandra Chiriac hat mittlerweile ihr schon sehr gutes Deutsch noch perfektioniert. Und so wird von nun an auch Rumänien in der Forschung des GWZO eine größere Rolle spielen. Los ging es augenzwinkernd im Wintersemester 2025/26 mit der Ringvorlesung „In die Walachei…“ zur modernen Geschichte und Kultur Rumäniens. Alexandra Chiriac hielt einen Vortrag zu transnationalem Design und Konsumkultur im Rumänien der Zwischenkriegsjahre unter dem Motto „‚Modernität‘ – Between Bauhaus and Bucharest“. Denn die Avantgarde der Moderne war wahrlich keine westeuropäische Erfindung – und Rumänien viel mehr als ein Teil der KuK-Monarchie oder Satellitenstaat Moskaus, in dem unter Ceaușescu die Securitate ihr Unwesen trieb.
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