Pressemitteilung

Geflüchtete Forschende aus der Ukraine: Unterstützung ohne zusätzliche Mittel nicht möglich

Die Hilfsbereitschaft in der deutschen Wissenschaft für Forschende aus der Ukraine ist groß, ebenso die Zahl der geflüchteten Wissenschaftler*innen aus dem vom Krieg betroffenen Land. Um auch jetzt angesichts des Ukraine-Kriegs angemessen helfen zu können, fordert die Humboldt-Stiftung zusätzliche finanzielle Unterstützung von Seiten der Politik.

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Symbolbild Philipp-Schwartz-Initiative: Drei gelbe Kreise mit einer Figur, die von einem zerstörten Tempel zu einem intakten Tempel läuft
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

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„Der Bedarf an Unterstützung für geflüchtete Forschende aus der Ukraine ist groß, Bewerbungen von politisch Verfolgten aus anderen Ländern dürften folgen. Die Humboldt-Stiftung hat mit der Philipp Schwartz-Initiative ein erprobtes Instrument zur Verfügung, um das Potenzial dieser hochqualifizierten Menschen für die Zukunft unserer Gesellschaft und der Herkunftsländer in Kooperation mit deutschen Gasteinrichtungen zu bewahren und zu fördern. In dieser besonderen Situation sollte schnell reagiert werden, damit Deutschland glaubwürdig für seine Werte und Wissenschaftsfreiheit eintritt“, sagt Hans-Christian Pape, Präsident der Humboldt-Stiftung. „Wir können auf ein Kompetenznetzwerk und die Erfahrungen der letzten fünf Jahre zurückgreifen, um den geflüchteten Forschenden Schutz zu gewähren, hierfür brauchen wir zusätzliche Mittel“, beschreibt Pape die Situation.

Insgesamt haben deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der aktuellen Auswahlrunde Nominierungen für 240 gefährdete Forschende eingereicht, darunter 171 für Forschende aus der Ukraine.

Ein privater Zustifter hat eine Summe von einer Million Euro fest zugesagt, um zur Finanzierung des Hauptprogramms der Philipp Schwartz-Initiative beizutragen. Um zum Beispiel 130 Forschende zu unterstützen, würden Kosten von rund 4,1 Millionen Euro im Jahr 2022 anfallen, und eine ähnlich hohe Summe für 2023. Hinzu kämen Personalkosten, um die Förderung zu verwalten.

Pro Jahr können im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative in zwei Auswahlrunden normalerweise rund 50 Forschende für eine Förderung ausgewählt werden.

Seit Mitte März können sich Institutionen und unterstützungswillige Personen in Deutschland, die geflüchteten Forschenden aus der Ukraine einen Forschungsplatz anbieten wollen, auf einer Vernetzungsplattform der Stiftung registrieren lassen. Die Resonanz ist enorm, bis heute haben sich 172 potenzielle Gastgebende gefunden.

Dank Zustiftungen der Carl-Zeiss-Stiftung und der Verlagsgruppe Springer Nature hatte die Humboldt-Stiftung jüngst den „Philipp Schwartz-Notfonds“ einrichten können. Aus diesem werden Kurzzeitstipendien von bis zu sechs Monaten für rund 40 Wissenschaftlerinnen aus der Ukraine vergeben.

Die Philipp Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung ermöglicht es mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes seit 2016 deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen, ausländische Wissenschaftler*innen, die in ihren Heimatländern durch Krieg und Verfolgung bedroht sind, für zwei Jahre bei sich aufzunehmen.

(Pressemitteilung 9/2022)

Jährlich ermöglicht die Alexander von Humboldt-Stiftung über 2.000 Forscher*innen aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. In weltweit über 140 Ländern pflegt die Stiftung ein fächerübergreifendes Netzwerk von mehr als 30.000 Humboldtianer*innen – unter ihnen 57 mit Nobelpreis.

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