Pressemitteilung

Ein Denklabor für unsere Zeit: Humboldt Residency-Programm nimmt Arbeit auf

Mit der virtuellen Auftaktveranstaltung des Humboldt Residency-Programms am 6. April setzt die Humboldt-Stiftung ein Zeichen für den internationalen Zusammenhalt.

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Porträts der Teilnehmenden
Die 15 Mitglieder der ersten Kohorte des Humboldt Residency-Programms
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Am 6. April 2022 haben die 15 Mitglieder der ersten Kohorte, darunter neben Wissenschaftler*innen auch Autor*innen, Künstler*innen und Journalist*innen, mit den geladenen Gästen den Auftakt des neu etablierten Humboldt Residency-Programms gefeiert.  Über einen Zeitraum von einem Jahr und einer zweimonatigen Residenzphase in Berlin werden Expert*innen aus 10 Ländern – aus Chile, Tschechien, Großbritannien, Indien, Israel, Slowenien, Schweden, Südafrika, den Vereinigten Staaten und Deutschland – Fragen des sozialen Zusammenhalts diskutieren und in verschiedenen Veranstaltungen mit der Öffentlichkeit ins Gespräch kommen.

In seiner Begrüßung betonte Hans-Christian Pape, Präsident der Humboldt-Stiftung, die Notwendigkeit des internationalen Dialogs angesichts der weltweiten Krisenherde und gesellschaftlichen Herausforderungen. Pape mahnte an, trotz der großen Aufgaben weiter nach Lösungen zu suchen: „Mit diesem ersten Humboldt Residency-Programm wollen wir analysieren, welche Mechanismen am Werk sind, wenn sich Einzelne und Gruppen radikalisieren, wie wir sie trotzdem erreichen können und wie wir den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken und gegen Bedrohungen verteidigen können. Wir wollen Gegenentwürfe zeigen und positive Dynamiken stärken. Gerade in der von Krieg und Pandemie beeinflussten Stimmung eines Doom and Gloom wollen wir das Bewusstsein schärfen für die Chancen der Veränderung.“

Auch Ralf Beste, Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation des Auswärtigen Amtes, verwies auf die Kraft internationaler Netzwerke: „Wir alle können unser ganzes Leben lang davon profitieren, wenn wir uns mit Menschen auf der ganzen Welt vernetzen. Und genau darum geht es der Alexander von Humboldt-Stiftung: um den Aufbau dauerhafter Netzwerke unter Spitzenwissenschaftler*innen aller erdenklichen Fachgebiete.” Herr Beste wünschte den Mitgliedern der ersten Kohorte viel Erfolg für die Zusammenarbeit: „Es ist ein lohnendes Unterfangen, eine Pionieraufgabe, und ich bin sicher, dass dabei etwas Großartiges herauskommen wird.“

Die kreative Leitung der ersten Kohorte des Programms, die Extremismusforscherin und Humboldtianerin Cynthia Miller-Idriss, legte ihre Vision für die kommende Zusammenarbeit dar. Die Direktorin des Polarization and Extremism Research and Innovation Lab (PERIL) an der American University, Washington, D.C., betonte den produktiven Ansatz der Kohorte im Umgang mit Phänomenen gesellschaftlicher Spaltung: „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir mehr soziale Gerechtigkeit erreichen können, uns stärker auf diejenigen konzentrieren, die am meisten von den negativen Auswirkungen der gesellschaftlichen Spaltung betroffen sind. Wir müssen einen Ansatz für den sozialen Zusammenhalt entwickeln, der den Nährboden für all die anderen negativen Faktoren verringert.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit der italienischen Politikwissenschaftlerin und Humboldtianerin Donatella della Porta (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) und der Psychologie-Professorin Jule Specht (Humboldt-Universität zu Berlin) ging es um die Fragen, die die Expert*innen auch im Laufe des Programms verhandeln und beantworten wollen: Wie können die verschiedenen Dimensionen zum Zusammenhalt von (globalen) Gesellschaften analysiert und fruchtbar in die öffentliche Debatte eingebracht werden? Welche Rolle spielen zivile Rechte in der Wahrung des sozialen Zusammenhalts? Wie kann man die Perspektiven von Minderheiten stärken? Sind unterschiedliche soziale Positionen und die Bedingungen von Vertrauen in Institutionen adäquat bedacht? Die Arbeit der Kohorte hat begonnen, erste Ergebnisse werden im Spätsommer 2022 vorgestellt.

Weitere Informationen zum Programm, den Mitgliedern der ersten Kohorte und den geplanten Veranstaltungen finden Sie hier.

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Das Humboldt Residency-Programm

Humboldt Residency-Programm

Unter der kreativen Leitung jährlich wechselnder Gastgeber*innen ermöglicht das Humboldt Residency-Programm Wissenschaftler*innen aus dem Netzwerk der Stiftung und darüber hinaus, zusammen mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und Medienschaffenden über einen Zeitraum von einem Jahr und mit einer Residenzphase in Berlin, an einem gemeinsamen Thema zu arbeiten. Durch mediale Formate, Veranstaltungen und Veröffentlichungen setzt das Programm sichtbare Impulse in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik.

Mit dem Humboldt Residency-Programm intensiviert die Humboldt-Stiftung den interdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und lotet neue Formen der hybriden Zusammenarbeit aus. Der Dialog mit der Gesellschaft ist ein zentrales Anliegen der Stiftung. Weitere Informationen zu den Aktivitäten im Bereich Wissenschaftskommunikation finden Sie hier.

(Pressemitteilung 10/2022)

Jährlich ermöglicht die Alexander von Humboldt-Stiftung über 2.000 Forscher*innen aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. In weltweit über 140 Ländern pflegt die Stiftung ein fächerübergreifendes Netzwerk von mehr als 30.000 Humboldtianer*innen – unter ihnen 57 mit Nobelpreis.

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