Pressemitteilung

Humboldt-Stiftung reagiert mit Maßnahmenpaket auf Krieg gegen die Ukraine

Kommunikationskanäle offenhalten, aber institutionelle Kooperation und materielle Unterstützung beenden. Unterstützung bedrohter Forschender steht im Mittelpunkt. Stiftung wirbt für zusätzliche Förderangebote.

  • vom
Flagge Ukraine
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

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Die Alexander von Humboldt-Stiftung reagiert mit einem Maßnahmenpaket auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Der institutionelle und materielle Austausch mit Russland ist gestoppt, die Kommunikation wird jedoch fortgesetzt. Durch den Krieg oder aus politischen Gründen bedrohten Forschenden wird unbürokratische Unterstützung und Zuflucht geboten. Derzeit befinden sich acht von der Humboldt-Stiftung geförderte Personen aus der Ukraine und 31 aus Russland in Deutschland. In Russland sind gut 750 Alumni der Stiftung tätig, in der Ukraine über 100 Alumni. Die Stiftung steht bei der Umsetzung ihrer Maßnahmen in engem Austausch mit der Bundesregierung sowie ihren Partnereinrichtungen in der Allianz der Wissenschaftsorganisationen.

  • Ihren Geförderten aus der Ukraine bietet die Humboldt-Stiftung Sonderregelungen für Alumniaufenthalte und Stipendienverlängerungen an. Auch Geförderten aus Russland, die etwa wegen ihrer kritischen Haltung gegenüber dem Krieg bedroht sind, soll mit diesen Instrumenten ein Aufenthalt in Deutschland ermöglicht werden.
  • Gefährdeten Wissenschaftler*innen wird generell im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative Schutz angeboten. Die Bewerbungsfrist für gefährdete und geflüchtete Forschende aus der Ukraine wurde bis zum 18. März verlängert und das Nominierungsverfahren vereinfacht. Weitere Maßnahmen sind in Vorbereitung.
  • In Partnerschaften mit russischen Instituten können Alumni aus Russland zurzeit keine materielle Unterstützung wie Buchspenden und Gerätebeihilfen erhalten. Die Förderung von Konferenzen in Russland ist bis auf Weiteres ausgesetzt.
  • Stipendienangebote für deutsche Wissenschaftler*innen, die in der Ukraine, Russland und Belarus forschen wollen, sind ausgesetzt.
  • Stipendienanträge aus Russland sind bis auf Weiteres weiterhin möglich, werden aber streng nach Proliferationskriterien überprüft. Das gleiche gilt für bereits laufende Stipendien.
  • Über die laufenden Maßnahmen hinaus hat die Stiftung Vorschläge für neue Instrumente und Förderangebote entwickelt, wie Kurzzeitstipendien, zusätzliche Brückenstipendien sowie eine Plattform, die Geflüchtete und wissenschaftliche Gastgebende schneller und fachlich passend zusammenbringen soll.

In den nächsten drei Jahren rechnet die Stiftung aufgrund des erhöhten Förderbedarfs mit einem zusätzlichen Finanzbedarf von rund 23 Millionen Euro. Da der Mittelbedarf je nach weiterer Entwicklung deutlich höher ausfallen kann, bemüht sich die Humboldt-Stiftung auch um Zustiftungen von privater Seite oder aus der Wirtschaft im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative. Erste Stiftungen haben der Humboldt-Stiftung bereits ihre Unterstützung angeboten. Die gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt 2015 als erste ihrer Art in Deutschland gestartete Initiative wurde bereits in der Vergangenheit mit Geldern internationaler und deutscher Zustifter unterstützt.

„Schnelle und flexible Hilfe für die ukrainischen Wissenschaftler*innen ist jetzt genauso wichtig, ebenso wie ein Signal an die russische Führung, dass wir solidarisch mit der Ukraine sind und die russische Aggression scharf verurteilen“, betont Stiftungspräsident Hans-Christian Pape. „Zugleich setzen wir auf Wissenschaft und Science Diplomacy als Instrument des Vertrauens und des Dialogs. Es wäre fatal, diese Brücken zu zerstören. Wir wollen deshalb die individuelle Förderung russischer Wissenschaftler*innen nicht grundsätzlich aussetzen und damit auch Personen bestrafen, die sich mutig gegen den Krieg und das Vorgehen der russischen Regierung aussprechen. Wir bieten allen Schutz und Unterstützung an, die sich für Verständigung und Kooperation engagieren“, sagte Pape. „Wir setzen unsere Hoffnung und unser Vertrauen auf die Kraft wissenschaftlicher Kooperation, um zur langfristigen Bewältigung dieser existenziellen Krise beizutragen, die uns alle zutiefst erschüttert“, so Pape.

(Pressemitteilung 5/2022)

Jährlich ermöglicht die Alexander von Humboldt-Stiftung über 2.000 Forscher*innen aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. In weltweit über 140 Ländern pflegt die Stiftung ein fächerübergreifendes Netzwerk von mehr als 30.000 Humboldtianer*innen – unter ihnen 57 mit Nobelpreis.

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