Pressemitteilung

Staatsmann des Wissenschaftsaustauschs: Die Humboldt-Stiftung trauert um Reimar Lüst

Nr. 4/2020

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aktualisiert am 9. April 2020

Der ehemalige Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung Reimar Lüst ist am 31. März 2020 im Alter von 97 Jahren verstorben. Der Pionier der europäischen Weltraumforschung war von 1989 bis 1999 Präsident der Humboldt-Stiftung.

Reimar Lüst

Der Astrophysiker Reimar Lüst übernahm sein Amt als vierter Präsident der Humboldt-Stiftung in politisch bewegten Zeiten. Die europäischen Revolutionen von 1989 und die deutsche Wiedervereinigung 1990 stellten die Stiftung und ihn vor neue Herausforderungen. Bei deren Bewältigung kamen ihm seine Erfahrungen als Vorsitzender des Wissenschaftsrates (1969-1972) und als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (1972-1984) zugute. Die Chancen auf Annäherung nutzte Lüst und schuf entschlossen Möglichkeiten, große Zahlen von Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Mittel- und Osteuropa für Forschungsarbeiten in Deutschland zu gewinnen und so dauerhafte Verbindungen durch das Netzwerk der Stiftung zu ermöglichen. Weiterer Schwerpunkt seiner Amtszeit war die Stärkung der entwicklungspolitischen Ziele. So entstand 1996 mit dem Georg Forster-Forschungsstipendium ein Angebot speziell für die Bedürfnisse in Entwicklungsländern. Es dient bis heute dem gegenseitigen Transfer von Methoden und Wissen und trug wesentlich dazu bei, dass das Humboldt-Netzwerk heute wichtige Beiträge in Schwellen- und Entwicklungsländern leistet.

„Reimar Lüst war in mehrfacher Hinsicht eine besondere Persönlichkeit: Er war ein international erfahrener und hervorragend vernetzter Wissenschaftsmanager. Er war zugleich ein brillanter Wissenschaftler und Vordenker seiner Disziplin. Und er war ein Menschenfänger, der mit seiner verbindlichen Art für sich einnahm. Mit diesen Stärken hat er sich für die Stiftung unermüdlich eingesetzt – auch noch nach seiner Amtszeit. Wir verdanken ihm viel und trauern um einen wahren Brückenbauer und Staatsmann des Wissenschaftsaustauschs“, sagte Hans-Christian Pape, der seit 2018 Präsident der Humboldt-Stiftung ist.

In Würdigung seines lebenslangen Wirkens für den internationalen Wissenschaftleraustausch hatte die Humboldt-Stiftung bereits 2006 gemeinsam mit der Fritz Thyssen Stiftung den nach ihm benannten Reimar Lüst-Preis für internationale Wissenschafts- und  Kulturvermittlung ausgelobt, der bis heute jährlich zweimal vergeben wird.

Geboren 1923 in Wuppertal, studierte Lüst in Frankfurt am Main und wurde in Göttingen promoviert. 1960 wurde er Mitglied des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik in München, 1963 Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik. Zugleich wurde er Professor beider Münchner Universitäten. Er war Direktor und später Vizepräsident der European Space Research Organisation (ESRO) sowie 1984-1990 Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). In diesen Positionen beeinflusste er die europäische Weltraumforschung maßgeblich. Nach seiner Amtszeit als Präsident der Humboldt-Stiftung blieb er im Netzwerk der Stiftung aktiv und engagierte sich vielfältig auch für andere Organisationen, etwa für die Max-Planck-Gesellschaft oder als Vorsitzender des Board of Governors der neu gegründeten International University Bremen, der heutigen Jacobs University.

 

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 30.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 55 Nobelpreisträger.

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