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Bettina Frohnapfel ist Professorin für Strömungsmechanik und die erste Frau im Fakultätsvorstand für Maschinenbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Im Rahmen des Henriette Herz-Scouting-Programms holte sie die spanische Wissenschaftlerin Patricia Sújar-Garrido an das KIT. Gemeinsam mit der Stipendiatin und zwei weiteren Kolleginnen veröffentlichte Frohnapfel vor Kurzem eine Publikation im führenden Journal ihres Fachgebiets. Es ist ihre erste Veröffentlichung mit einer ausschließlich weiblichen Autorinnenliste – auch dank der Förderung durch die Humboldt-Stiftung.
Den Strömungen auf der Spur
Die Ingenieurwissenschaftlerin Bettina Frohnapfel erforscht die Reibung zwischen Strömungen und festen Oberflächen. Ziel ihrer Arbeit ist es, herauszufinden, wie sich Reibungsverluste verringern lassen. Die gewonnenen Erkenntnisse können dazu beitragen, Strömungen und Oberflächen so zu gestalten, dass beispielsweise Flugzeuge oder Schiffe weniger Energie verbrauchen.
Zusammen mit drei Koautorinnen veröffentlichte sie kürzlich einen Fachartikel im Journal of Fluid Mechanics darüber, wie sich Oberflächenrauheiten auf Reibung auswirken. Solche Rauheiten entstehen etwa durch Korrosion oder Ablagerungen und verändern die Eigenschaften einer Oberfläche. In ihrer experimentellen Arbeit untersuchten die Wissenschaftlerinnen, wie unterschiedlich raue Bereiche einer Oberfläche den gesamten Strömungswiderstand beeinflussen.
Frohnapfel erklärt, dass man in der Strömungsmechanik zwischen laminaren und turbulenten Strömungen unterscheidet. Am KIT forschen sie und ihre Kolleg*innen vor allem zu turbulenten Strömungen. Während sich laminare Strömungen gleichmäßig und geordnet bewegen, zeichnen sich turbulente Strömungen durch unregelmäßige und chaotische Bewegungen aus.
Ihr Interesse an dieser Art von Strömungen wurde bereits früh im Studium geweckt: Als Studentin des Chemieingenieurwesens an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) kam sie erstmals mit dem Thema Turbulenz in Berührung. Zu dieser Zeit nahm sie an einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) unterstützten Summer School teil, die von ihrem damaligen Professor und späteren Doktorvater geleitet wurde. Dort kamen Studierende des Fachgebiets zusammen, um Themen vorzustellen, die sie für die Veranstaltung vorbereitet hatten. Dabei beschäftigte sie sich zum ersten Mal mit Turbulenzen – und blieb diesem Forschungsgebiet viele Jahre lang treu.
Von der Postdoktorandin zur Professorin
Nachdem Frohnapfel im Jahr 2007 ihre Promotion zur Dr.-Ing. abgeschlossen hatte, bewarb sie sich um ein Forschungsstipendium der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS). Ihre Bewerbung für das Postdoc-Stipendium reichte sie über die Humboldt-Stiftung ein, mit der sie zu diesem Zeitpunkt bereits vertraut war. „In Erlangen, wo ich promoviert habe, gab es viele Besuche von Humboldt-Stipendiaten. Das war ein etabliertes Konzept an dem Institut“, so die Strömungsmechanikerin.
Zurück in Deutschland wurde Frohnapfel von 2008 bis 2010 in das Fast-Track-Programm der Robert Bosch Stiftung aufgenommen. Sie gehörte zu den 20 Wissenschaftlerinnen aus MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik), die für das Förderprogramm ausgewählt wurden. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr, neben den spannenden Kompaktseminaren, der enge Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen.
„Zu Beginn des Programms hatten fast alle noch keine Kinder. Das änderte sich nach und nach, weil man gesehen hat, dass die anderen das auch schaffen. Das ist ein total wichtiger Punkt: ein Netzwerk, in dem man sieht, dass Familie und Karriere auch in der Wissenschaft miteinander vereinbar sind.“
Von 2010 bis 2012 leitete Frohnapfel die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe „Viscous Flow Control“ an der Technischen Universität Darmstadt. 2012 folgte schließlich der frühe Ruf auf eine Professur am KIT. Ein Jahr zuvor brachte sie ihren ersten Sohn zur Welt, 2014 ihren zweiten.
Auf die Frage, wie sie diese Zeit gemeistert habe, erzählt Frohnapfel, dass ihr Mann jeweils ein Jahr Elternzeit genommen habe. Seine Anstellung an einer Fachhochschule habe ihm die dafür nötige Flexibilität ermöglicht. Am KIT habe sie zudem ein Babybett in ihrem Büro aufstellen dürfen, sodass sie ihren zweiten Sohn in den ersten Monaten auch während der Arbeitszeit betreuen konnte. Dennoch sei diese Phase ohne Frage sehr anstrengend gewesen und habe sie an ihre Grenzen gebracht.
Einige Jahre später bewarb sich die Ingenieurwissenschaftlerin aus ihrer festen Anstellung heraus auf ein Feodor Lynen-Forschungsstipendium der Humboldt-Stiftung. Dieses ermöglichte ihr 2017 einen fünfmonatigen Forschungsaufenthalt an der Königlichen Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm.
„Wir waren tatsächlich mit der ganzen Familie da und das war perfekt. Wir hatten die Kinder im schwedischen Kindergarten und mein Mann hat ebenfalls für ein paar Monate eine Arbeitsmöglichkeit an der KTH gefunden. Es war eine großartige Zeit für uns.“
Frohnapfel konnte durch das Stipendium wertvollen Input für die Aufbauphase ihres Instituts in Karlsruhe gewinnen. Außerdem entstanden enge Bande mit der schwedischen Forschungsgruppe und sie knüpfte viele Kontakte, die sie bis heute pflegt. Über diese Kontakte wurde sie später auch ihrer zukünftigen Stipendiatin vorgestellt.
Scouting für die Humboldt-Stiftung
Als sich die Strömungsmechanikerin als Scout für die Humboldt-Stiftung bewarb, hatte sie noch niemand Bestimmtes für eine Nominierung im Sinn. Doch das Konzept des Henriette Herz-Scouting-Programms sagte ihr sehr zu. „Ich finde die Idee spannend, dass man Forschende ganz niedrigschwellig ansprechen und sagen kann: ‚Wir haben ein Angebot für dich. Magst du zu uns kommen?‘ Das ist etwas, was uns im Portfolio sonst häufig fehlt. Ich schätze auch das riesige Vertrauen, das einem als Scout entgegengebracht wird, die richtigen Personen auszuwählen.“
„Ich schätze das riesige Vertrauen, das einem als Scout entgegengebracht wird, die richtigen Personen auszuwählen.“
Frohnapfel wurde 2021 schließlich als Scout zugelassen und nominierte die spanische Strömungsmechanikerin Patricia Sújar-Garrido für ein Humboldt-Forschungsstipendium. Die Wahl traf auf die erfahrene Forscherin, da sie umfassende messtechnische Expertise mitbrachte und die fachliche Bandbreite des Instituts ergänzte. Sújar-Garrido hatte zum Zeitpunkt ihrer Zusage eine feste Anstellung an der KTH in Stockholm und wurde von 2023 bis 2025 für drei halbjährige Forschungsaufenthalte in Karlsruhe freigestellt. Währenddessen begleitete Frohnapfel sie eng als Mentorin und veröffentlichte gemeinsam mit ihr die zuvor genannte Publikation.
Vom Projektbeginn über die ersten Messungen bis zur Veröffentlichung im Juni 2026 vergingen nach Frohnapfels Schätzung rund drei Jahre. Besonders stolz ist sie darauf, erstmals eine wissenschaftliche Publikation mit einer ausschließlich weiblichen Autorinnenliste veröffentlicht zu haben.
Förderung von Frauen und Diversität
Heute hat Frohnapfel am KIT die offizielle Leitung einer Forschungsgruppe inne, zu der insgesamt rund 20 Doktorand*innen, Postdocs und unbefristete Wissenschaftler gehören. Die Zusammensetzung der Mitglieder ist sehr international: sie stammen aktuell aus Italien, Großbritannien, Kanada und Deutschland. Die Professorin schätzt diese Vielfalt: „Ich finde es bereichernd, Personen mit einem internationalen Hintergrund in der Forschungsgruppe zu haben. Denn sie bringen diverse Perspektiven mit, da sie Dinge vielleicht ein bisschen anders gelernt haben. Das hilft einfach sehr.“
Bei der Auswahl neuer Mitglieder ist für Frohnapfel jedoch nicht nur die fachliche Qualifikation entscheidend. Genauso wichtig ist es ihr, dass die Zusammenarbeit auch menschlich funktioniert. Potenziellen Gastgeber*innen rät sie deshalb, Kandidat*innen beispielsweise für zwei Wochen einzuladen, um herauszufinden, wie gut man im Forschungsalltag miteinander harmoniert.
Zudem hat die Strömungsmechanikerin vor allem erfahrene Forscherinnen ihres Fachgebiets im Blick. Sie beobachtet nämlich, dass deren Karrierechancen im Laufe der Zeit häufig geringer werden. „Gerade im internationalen Kontext sehe ich oft, dass Frauen, die sich als ‚High Potentials‘ im Postdoc herausstellen, relativ schnell eine unbefristete Stelle erhalten. Doch dann beginnt die eigentliche Herausforderung: Sie müssen sich in einem sehr umkämpften Umfeld behaupten. Genau an diesem Punkt haben wir aus meiner Sicht die Verantwortung, die nächste Generation zu unterstützen. Hier ist die Förderung der Humboldt-Stiftung so entscheidend: Sie hilft Frauen dabei, sich in der Forschung zu etablieren und ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Vor allem die Stipendien für erfahrene Forschende sind dabei aus meiner Sicht interessant.“
„Hier ist die Förderung der Humboldt-Stiftung so entscheidend: Sie hilft Frauen dabei, sich in der Forschung zu etablieren und ein eigenes Netzwerk aufzubauen.“
Auch über ihre Arbeit am KIT hinaus setzt sich Frohnapfel für die Förderung von Frauen im Ingenieurwesen ein: Seit 2024 ist sie die Sprecherin des Fachkollegiums für Strömungsmechanik, Technische Thermodynamik und Thermische Energietechnik der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Im März 2026 organisierte sie gemeinsam mit einer Kollegin erstmals ein Treffen für in Deutschland tätige Strömungsmechanikerinnen. Wie sie berichtet, waren es genug Teilnehmerinnen, um einen kleinen Raum zu füllen – etwas, das es in dieser Form zuvor noch nie gegeben hatte. Bei diesem Treffen berichteten auffällig viele Frauen von unerwarteten Schwierigkeiten beim beruflichen Aufstieg, insbesondere auf dem Weg zu einer Professur.
Frohnapfel ist überzeugt, dass ein Stipendium der Humboldt-Stiftung auch erfahrenen Forscherinnen aus Deutschland neue Chancen für ihre wissenschaftliche Karriere geben kann. „Ich finde es super, dass die Stipendien personenbezogen und nicht themenbezogen sind. Themenbezogene Förderung findet man an vielen Stellen – hier steht die Person im Mittelpunkt. Ich glaube, das ist eine ganz tolle Auszeichnung, weil die Auswahl kompetitiv ist und die Stipendien international bekannt sind. In dieses Netzwerk aufgenommen zu werden, ist deshalb auch für den eigenen Lebenslauf sehr wertvoll.“
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