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Seit Jahren setzt sich die Humboldt Alumni-Preisträgerin Rosemary Tonjock als Mentorin für junge Wissenschaftlerinnen ein. Mit dem Humboldt-Kolleg zum Thema Gender Networking in Bafoussam gibt sie weiblichen Talenten eine Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung. Tonjock selbst war 2019 bei dem allersten Kolleg zu diesem Thema auf die Angebote der Humboldt-Stiftung aufmerksam gemacht worden.
Beeindruckende Karriere
„Kolleg*innen hatten mich gewarnt, es sei sehr unwahrscheinlich, dass ich eine Chance hätte“, erzählt die Humboldtianerin über die eigene Bewerbung im Georg Forster-Programm für erfahrene Forscher*innen. Aber Tonjock ließ sich nicht abschrecken und wurde ausgewählt. Zu dem Zeitpunkt konnte sie schon auf eine beeindruckende Karriere auf dem Gebiet der Mykologie und Pflanzenpathologie zurückblicken und war für Forschungsaufenthalte in Südafrika und den USA gewesen.
„Ich verbrachte 18 Monate in Deutschland – zunächst neun Monate, dann kehrte ich für die Lehre drei Monate nach Hause zurück und ging weitere neun Monate nach Deutschland“, berichtet die Spitzenwissenschaftlerin, die mithilfe eines starken Familienverbundes sechs Kinder großgezogen hat. Dabei hebt sie die Flexibilität des vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten Programms hervor. „Humboldtianerin zu sein und in Deutschland forschen zu können, ist eine Ehre und macht außerdem noch großen Spaß“, sagt Tonjock, deren Forschungsaufenthalt an der Universität Bayreuth leider in die Zeit der Pandemie fiel. An die afrikanischen Nachwuchsforscherinnen appelliert sie immer wieder, sich nicht von herrschenden herrschenden Geschlechterrollen beeinflussen zu lassen.
„Wir brauchen mehr Frauen im MINT-Bereich, denn diese Felder treiben die Innovation und Entwicklung des Landes voran. Wenn aber nur ein Geschlecht daran beteiligt ist, reicht das nicht aus, dann sind wir nicht gut aufgestellt“, sagt Tonjock. Sie wünscht sich, dass mehr Frauen – und nicht nur Männer – einen Platz am Tisch erhalten, an dem wissenschaftlich bedeutsame Entscheidungen getroffen werden, die die Gesellschaft betreffen. Diese Frau strahlt so viel Tatkraft aus, dass man es ihr ohne Zweifel zutraut, die Geschlechterverhältnisse an kamerunischen Universitäten nicht nur im MINT-Bereich zu revolutionieren.
Frauen dramatisch unterrepräsentiert
Denn laut Statistiken der Weltbank und des kamerunischen Frauen- und Familienministeriums haben nur 15 Prozent der kamerunischen Frauen einen Masterabschluss. Von den 113 Humboldtianer*innen im Netzwerk aus Kamerun sind Ende 2025 nur 18 Frauen gewesen. Um mehr Frauen in die Spitzenwissenschaft zu bringen, hat Tonjock das Mentoring-Programm PROFAESTEM ins Leben gerufen. Frauen können sich über eine App Mentor*innen suchen, um sich unterstützen und beraten zu lassen. Ein Projekt, für das Tonjock mit dem Humboldt-Alumni-Preis ausgezeichnet wurde.
„Wir wachsen, indem wir andere stärken“, lautet ihr Motto. Zu dem Kolleg „Gender Networking Conference on Science, Technology, Engineering, Mathematics and its Transdisciplinary Perspective for Sustainable Development“ hat sie weibliche Vorbilder eingeladen, um den anwesenden Nachwuchswissenschaftlerinnen Karrierewege aufzuzeigen. So berichtete z. B. Dr. Luria Founou in der Keynote zur Eröffnung des Kollegs von der eigenen Laufbahn und appellierte an die anwesenden Frauen, das eigene Potenzial zu erkennen und daran zu glauben, dass Probleme, die auf dem Weg auftauchen, gelöst werden können. Die kamerunische Mikrobiologin gehört zum Beraterstab der Weltgesundheitsorganisation und hat die Plattform D2AFRICA gegründet. Diese hat sich das Ziel gesetzt, afrikanische Forschende zu vernetzen und ein „Ökosystem“ aufzubauen, das es Afrikaner*innen erlaubt, an die Spitze der globalen Wissensproduktion zu gelangen. „Diese Konferenz bot jungen Forscherinnen die Gelegenheit, weibliche Vorbilder kennenzulernen, sich zu vernetzen und Stereotypen in der afrikanischen Gesellschaft zu überwinden, die Menschen glauben lassen, dass Frauen in die Küche gehören und Kinder gebären müssen. Wir müssen alle an Bord holen, wenn wir nachhaltige Entwicklung sehen wollen“, führt Founou aus.
Von bloßer Repräsentation zu echter Inklusion
Eine Botschaft, die ankommt. „Diese Konferenz wirkt sehr motivierend auf mich, allein schon zu sehen, dass weibliche Vorbilder wie die Organisatorin Prof. Rosemary Tonjock existieren“, schwärmt die Doktorandin der Myologie, Sirri Vera Nsoh von der University Bamenda, eine der teilnehmenden Nachwuchswissenschaftlerinnen.
Mit Abschluss des Kollegs ist die Mission von Rosemary Tonjock nicht beendet. Sie will Kolleg*innen und Entscheidungsträger*innen in der Politik weiter von der Notwendigkeit nachhaltiger weiblicher Netzwerke in den MINT-Disziplinen überzeugen.
„Lasst uns jungen Wissenschaftlerinnen nicht nur beibringen, erfolgreich zu sein, sondern wirkliche Teilhabe zu erlangen, die über bloße Repräsentation hinaus zu tatsächlicher Inklusion führt. Durch Netzwerke bauen wir Vertrauen auf, schaffen Gelegenheiten und schreiben die Geschichte, wer zu MINT gehört, von Grund auf neu“, betont Tonjock.
Wenn das Humboldt-Netzwerk in Kamerun in den nächsten Jahren weiblicher wird, dann ist das auch der Energie und Tatkraft der Georg Forster-Alumna Rosemary Tonjock zu verdanken.