Aktuelles

Philipp Schwartz Forum 2026 – 10 Jahre Unterstützung für gefährdete Wissenschaftler*innen

Am 9. und 10. April kamen rund 370 Personen zum Philipp Schwartz Forum nach Berlin. Expert*innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Politik diskutierten zum zehnjährigen Jubiläum des Programms Herausforderungen der Wissenschaftsfreiheit und Maßnahmen zum Schutz von gefährdeten Forschenden.

  • vom
Hörsaal der FU Berlin mit Gästen des PSI-Forums
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Kontakt

Presse, Kommunikation und Marketing
Tel.: +49 228 833-144
Fax: +49 228 833-441
presse[at]avh.de

Am 9. und 10. April trafen sich auf Einladung der Humboldt-Stiftung rund 370 gefährdete Forschende, Mentor*innen, Vertreter*innen von deutschen, europäischen und transatlantischen Partnerorganisationen sowie der Politik zum Philipp Schwartz Forum 2026 in Berlin. Ziel der Veranstaltung war es, die Vernetzung und den Austausch zu Unterstützungsmöglichkeiten für gefährdete Wissenschaftler*innen und Wissenschaftsfreiheit weltweit zu stärken.

Wo der Raum für akademische Freiheit, Zivilgesellschaft und Demokratie schrumpft, geraten Forschende mit als Erste unter Druck. Wissenschaftler*innen, die in ihren Herkunftsländern erheblicher und anhaltender persönlicher Gefährdung ausgesetzt sind, können ihre Arbeit mit Hilfe eines Stipendiums der Philipp Schwartz-Initiative der Humboldt-Stiftung in Deutschland fortsetzen. Bisher haben 147 Institutionen mehr als 670 Forschende aus 31 Ländern aufgenommen. Was sind die Lehren aus 10 Jahren Philipp Schwartz-Initiative? Welche Herausforderungen bringt die veränderte Weltlage? Und wie will sich das Netzwerk zum Schutz für gefährdete Forschende für die Zukunft aufstellen? 

Video zum Philipp Schwartz Forum 2026
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Weitere Informationen

Humboldt Kosmos Magazin zu "10 Jahre Philipp Schwartz-Initiative"
Livestream zur Veranstaltung

Anke Reiffenstuel, Beauftragte für Außenwissenschafts-, Bildungs- und Forschungspolitik beim Auswärtigem Amt begrüßte die Teilnehmenden. In ihrer Rede betonte sie die besondere, auch außenpolitische Bedeutung der Philipp Schwartz-Initiative als zentraler Pfeiler für die Verteidigung von Wissenschaftsfreiheit und internationaler Solidarität. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten, wie sie nicht zuletzt auch der Academic Freedom Index bereitstelle, seien eine unabdingbare Grundlage für informierte und effektive Politikgestaltung, so Reiffenstuel.

Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin und Gastgeber der Veranstaltung, verwies auf das Engagement vieler Kolleg*innen an der FU für die Freiheit der Wissenschaft und die langjährige erfolgreiche Kooperation mit der Philipp Schwartz-Initiative, die den Grundstein für die deutsche Scholars at Risk Sektion legte. 

Vier Personen stehen vor einer Bühne und lächeln in die Kamera.
Katrin Kinzelbach (Universität Erlangen-Nürnberg), Humboldt-Stiftungspräsident Robert Schlögl, Anke Reiffenstuel (Auswärtiges Amt) und Günter M. Ziegler (Präsident der Freien Universität Berlin)
Robert Schlögl spricht auf einer Bühne.
Robert Schlögl, Präsident der Humboldt-Stiftung
Weitwinkelaufnahme vom gefüllten Hörsaal der FU Berlin.
Die Gäste des Forums im Hörsaal der Freien Universität Berlin
Person steht hinter einem Podium auf einer Bühne. Hinter ihr sieht man eine Päsentation, auf der steht "What is the state of academic freedom around the world?"
Katrin Kinzelbach, Professorin für Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg

Die anschließenden Keynotes hielten Robert Schlögl, Präsident der Humboldt-Stiftung, und Katrin Kinzelbach, Professorin für Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg. Ausgehend vom Start der Philipp Schwartz-Initiative 2015, betonten beide Vortragenden die veränderte Gefährdungslage für Forschende im Zuge aktueller globaler Konflikte. Wissenschaftsfreiheit sei grundlegend für den Erhalt demokratischer Systeme und zudem Motor für Innovation und Fortschritt.

Der Blick nach vorn sei wichtiger denn je: Welche langfristigen Trends werden relevant sein? Was ist erforderlich, um Forschende zu unterstützen und die akademische Freiheit in Deutschland, Europa und darüber hinaus zu sichern? Welchen Unterschied können die Netzwerke bewirken, die sich im Rahmen der Phillip Schwartz-Initiative gebildet haben? Schlögl und Kinzelbach plädierten für weitreichende Maßnahmen in Politik und akademischen Einrichtungen, um das Wissenschaftssystem zu stärken und gegen zukünftige Angriffe resilient zu machen. Ganz besonders müsse man die Autonomie von Forschungseinrichtungen schützen, wie Katrin Kinzelbach im Rückgriff auf aktuelle Zahlen des Academic Freedom Index deutlich machte. 

Die Freiheit der Forschung ist keineswegs selbstverständlich. Wir dürfen sie nicht als gegeben hinnehmen. Wir müssen wachsam sein, die Anzeichen für Einschränkungen und den Abbau dieser Freiheit erkennen und handeln.
Robert Schlögl, Präsident der Humboldt-Stiftung

Grundlage für den persönlichen und beruflichen Erfolg ist zudem die Kooperation zwischen den Forschenden und ihren akademischen Gastgeber*innen. Im zweiten Panel vertieften Philipp Schwartz-Fellows aus dem Sudan und der Ukraine und wissenschaftliche Mentor*innen die Frage, wie eine nachhaltige und produktive Zusammenarbeit aussehen kann. Dabei, so die Runde, müsse man zwischen dem akademischen Mentoring und anderen Unterstützungsangeboten unterscheiden. Verwiesen wurde hier auf die Verwaltungen der deutschen und europäischen Gastinstitutionen, die mit außerordentlichem Engagement und Einsatz ein Ankommen und Weiterarbeiten ermöglichen. 

In einem weiteren Panel berichteten Forschende aus Afghanistan, Syrien und der Ukraine von ihren Erfahrungen in der Diaspora. Die Wissenschaftler*innen stellten unterschiedliche Organisationsformen und -ansätze vor, die für den Wissenserhalt und akademischen Wiederaufbau in Kriegsgebieten und Post-Konfliktkontexten beitragen. Sie teilten praktische Tipps, wie ein solches Engagement gelingen kann – trotz der hohen systemischen Hindernisse und persönlichen Herausforderungen einer Karriere im Exil.

Vier Personen auf Stühlen auf einer Bühne. Eine Frau spricht in ein Mikrophon.
Mohammed Gebrail (Philipp Schwartz-Fellow), Anke Hoeffler, (Philipp Schwartz-Mentorin, Humboldt-Professorin), Olena Zinenko (Philipp Schwartz-Fellow), Frank Albrecht (Philipp Schwartz-Initiative)
Menschen stehen vor einem Poster, eine Frau erklärt etwas.
Workshop für Projektleitungen der Philipp Schwartz-Initiative an den deutschen Forschungseinrichtungen
Eine Person läuft an Postern vorbei.
Zwei Menschen unterhalten sich angeregt.
Personen unterhalten sich über ein Poster, ein Mann zeigt darauf.
Vier Personen sitzen auf Stühlen auf einer Bühne, einer spricht in ein Mikro.
Panel mit Philipp Schwartz-Fellows aus dem Sudan und der Ukraine und wissenschaftlichen Mentor*innen
Viele Menschen stehen neben Postern und unterhalten sich. In der Vogelperspektive aufgenommen.
Menschen stehen vor der FU Berlin und unterhalten sich. Eine Fahne mit dem Humboldt-Logo ist ausserdem zu sehen.
Der Campus der Freien Universität Berlin
Sechs Menschen auf Stühlen auf einer Bühne
Maike Didero (Philipp Schwartz-Initiative), Ayham Abazid (Philipp Schwartz-Alumnus), Samer Alkarkoukly (German Syrian Research Society), Mursal Dawodi (Philipp Schwartz-Fellow), Kateryna Latysh (MSCA4Ukraine-Alumna), Liza Bezvershenko (EUDiF)
Fahne mit dem Logo der Humboldt-Siftung
Die Teilnehmenden machen sich auf den Rückweg

Am zweiten Tag der Veranstaltung hatten die Geförderten, Gastinstitutionen und Partner der Philipp Schwartz-Initiative die Möglichkeit, in Workshops konkrete Themen zu vertiefen. Von Mental Health-Fragen, über Tools für strategisches Netzwerken und Hilfestellungen zum Schreiben von Forschungs- und Drittmittelanträgen bis hin zu praktischen Tipps für den Aufbau einer Karriere in Deutschland konnten sich die Teilnehmenden mit Expert*innen austauschen.

vorheriger Eintrag Humboldt-Kolloquium in Chile: Freundschaft und Vertrauen in die Wissenschaft